Change-Management ist eine umfangreiche Disziplin mit vielen Teil- und Unterbereichen. Die Bandbreite des Leistungsportfolios der Aspect Consulting GmbH erstreckt sich dabei auf Organisations-, Gruppen- und interpersonelle Themen im Rahmen von digitalen Transformationsprojekten.

In diesem Blog berichten wir in regelmäßigen Abständen über ausgewählte, aktuelle Themen, die im beruflichen (und auch privaten) Umfeld für Spannungen, Leistungsverlust und Ineffizienz führen und wie man ihnen begegnet. Heute geht es um die Frage, warum Menschen andere Menschen schlechtmachen.

Das Gespräch führt unsere Mitarbeiterin Julia Gehre mit Diplom-Psychologen Stephan Berger selbständiger Psychologe/Coach und Dozent an der Psychologischen Fakultät der Universidad Europea Madrid (UEM).

Vielleicht kennen Sie auch die eine oder andere Person in Ihrem privaten oder beruflichen Umfeld, die andere Menschen häufig schlechtmacht oder schlechtredet – eben mit Worten oder ihrem Verhalten abwertet. Das Schlechtmachen kann sich dabei auf Gesagtes, Verhalten, Aussehen oder generell die gesamte Person beziehen.

Für den, der schlechtgemacht wird, ist eine solche Situation meist extrem unangenehm und kann zu Gefühlen der Ohnmacht, Wut und Ärger führen. Allerdings hat es nie etwas mit der Person zu tun, die schlechtgemacht wird, es sagt ausschließlich etwas über das Persönlichkeitsbild und den Charakter der Person aus, die andere schlechtmacht.

 

Herr Berger, warum machen manche Menschen Andere schlecht?

Lassen Sie mich eines vorwegsagen: Wichtig ist zu verstehen, dass es nie etwas mit Ihnen zu tun hat! Es geht immer um die Person, die handelt. Generell haben diese Menschen das Bedürfnis, selbst besser dazustehen und dies erreichen sie vermeintlich damit, in dem sie andere Menschen abwerten. Diese Menschen sind mit sich selbst oder mit dem, was ihnen widerfahren ist, unzufrieden und projizieren diese negativen Gedanken und Gefühle auf andere.

Was sind die Gründe dafür, warum Menschen andere bewusst runtermachen?

Diese Menschen haben eine negative Selbstwahrnehmung und das kann verschiedene Ursachen haben. Gründe dafür sind:

Mangelndes Selbstwertgefühl – Dadurch, dass sie andere runtermachen oder andere schlecht darstellen, fühlen sie sich besser. Dieses wertet das mangelnde Selbstwertgefühl auf.

Schlechte Erfahrungen – Wenn eine Person selbst häufig Erniedrigungen und Kränkungen erfahren hat, kann sie das Bedürfnis entwickeln, selbst andere Person zu erniedrigen – Wie es mir ergangen ist, soll es auch dir ergehen.

Negative Gefühle und Gedanken – Frust, Ärger, Wut und Enttäuschung werden an anderen Personen ausgelassen.

Neid – Der Erfolg, Besitz oder die Fähigkeit von anderen werden kleingeredet, abgewertet und dadurch bewusst geschmälert. Dieses ist auch immer ein Zeichen mangelnden Selbstwertgefühls oder eines Minderwertigkeitsgefühls.

Fehlende emotionale Intelligenz – Wer sich nicht in andere hineinversetzen, die Gefühle anderer nicht nachvollziehen kann, ist sich auch der Kränkungen, die er durch seine Aussagen oder sein Verhalten verursacht, kaum bewusst.

Jeder ist schuld, nur nicht ich selbst – Das eigene Unvermögen und die daraus resultierende Unzufriedenheit werden auf andere projiziert um nicht selbst Eigenverantwortung übernehmen zu müssen: „Ein Schuldiger muss her, der das spüren soll. Dann geht es mir besser!“

Generell lässt sich sagen, dass diese Menschen ihr Umfeld bewusst negativ darstellen oder bewusst negativ wahrnehmen, um sich selbst besser zu fühlen. Sie benötigen diesen Negativismus oder das Leid anderer Menschen für ihr eigenes Selbstwertgefühl.

Was genau meinen Sie damit, Herr Berger?

Diese Menschen benötigen immer wieder die Negativdarstellung oder das Leid anderer, um mit ihren negativen Gedanken und Gefühlen klarzukommen. Dieses Verhalten kann man mit dem eines Süchtigen vergleichen. Nur durch beständige Negativ-Darstellung und Negativ-Wahrnehmung anderer, kommen sie mit ihren eigenen negativen Gefühlen zurecht. Es ist wie eingangs erwähnt, immer eine Projektion der eigenen Gefühls- und Gedankenwelt des Schlechtmachers.

Sie haben gesagt, diese Menschen benötigen auch das Leid anderer?

Das kann man zwar nicht pauschalisieren, ist aber im Grundsatz richtig. Durch das Leid anderer fühlen sich solche Menschen besser, da der andere leidet, sie aber nicht. Sendeformate wie „Upps – die Pannenshow“ oder entsprechende YouTube-Kanäle, in denen anderen Menschen Missgeschicke widerfahren (zum Teil auch verbunden mit Schmerzen), wurden für solche Menschen entwickelt. Menschen mit normaler und hoher emotionaler Intelligenz können sich solche Formate nicht anschauen, da sie das Leid des Akteurs erkennen und Mitgefühl entwickeln.

Was kann ich dagegen machen, wenn ich von anderen schlechtgemacht werde?

Das Wichtigste ist, zu erkennen, dass es nichts mit Ihnen zu tun hat! Es liegt immer und ausschließlich in der Person, die schlechtmacht. Insofern wäre die beste Strategie, es einfach zu ignorieren.

Das hilft aber nicht immer, was können Sie raten?

Da haben Sie leider recht, die innere Abgrenzung fällt vielen Menschen schwer, auch wenn sie es
verstandsmäßig erfassen können. Daher noch folgende Tipps:

Konfrontieren – manche Runtermacher reden abwertend nur in Abwesenheit der jeweiligen Person. Gerade weil es einigen von ihnen an Selbstsicherheit mangelt, scheuen sie die Konfrontation.

Suchen Sie bewusst die Konfrontation, vielleicht auch einmal im Beisein anderer Personen (im beruflichen Umfeld könnte das der gemeinsame Vorgesetzte sein). Bleiben Sie sachlich und bringen Sie Ihre Kritikpunkte an.

Abgrenzen – Schränken Sie den Kontakt ein oder brechen Sie ihn ab. Wenn das nicht möglich ist, grenzen Sie sich innerlich ab. Erkennen Sie, dass nicht Sie das Problem sind, sondern der Andere ein Problem hat. Dann können Kränkungen Ihnen auch weniger anhaben.

Geben Sie uns ein Fazit mit, Herr Berger.

Die Gründe für das Schlechtmachen von Mitmenschen mögen unterschiedlich und häufig nicht nachvollziehbar sein. Aber letztlich lassen sie sich meistens auf einen Grund herunterbrechen:

Menschen machen andere schlecht, um sich selbst besser zu fühlen und/oder vor anderen (vermeintlich) besser dazustehen – oder vereinfacht gesagt: Sie machen andere klein, um sich selber groß zu fühlen.

Wir bedanken uns sehr herzlich für das Interview!