Change Management

TOXIC!

TOXIC!

In diesem Blog berichten wir in regelmäßigen Abständen über ausgewählte, aktuelle Themen, die im beruflichen (und auch privaten) Umfeld für Spannungen, Leistungsverlust und Ineffizienz führen und wie man ihnen begegnet. Heute geht es um toxische Menschen.

Das Gespräch führt unsere Mitarbeiterin Julia Gehre mit Diplom-Psychologen Stephan Berger selbständiger Psychologe/Coach und Dozent an der Psychologischen Fakultät der Universidad Europea Madrid (UEM).

Herr Berger, was sind toxische Menschen?

Toxisch ist abgeleitet von dem lateinischen Begriff toxicus und bedeutet übersetzt giftig. Ein toxischer Mensch ist somit ein giftiger Mensch oder einfacher gesagt, ein Mensch, der einem nicht guttut oder bewusst schadet.

Es gibt allerdings keine einheitliche Definition von toxischen Menschen. Die Psychologie fokussiert sich daher auf beobachtbares Verhalten und Eigenschaften eines toxischen Menschen.

Welches Verhalten und welche Eigenschaften sind das?

Toxische Menschen nehmen keine Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer. Sie setzen ihren Standpunkt mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln durch und greifen dabei auch zu drastischen Mitteln. Sie kontrollieren, manipulieren und setzen andere unter Druck. Sie gehen dabei sehr geschickt vor und meistens ist ihnen jedes Mittel recht.

Im beruflichen Umfeld dominieren toxische Menschen Meetings und Teams. Vieles, wenn nicht alles, dreht sich um diese Person und ihre Themen.

In Beziehungen sind toxische Menschen der dominierende Part. Toxische Partner neigen dazu, über Schuldzuweisungen und Schuldgefühle den Partner oder ihre Kinder klein zu halten und in ihrem Sinne zu manipulieren. Toxische Frauen neigen zudem zu Intrigen; sie lügen und lästern hinter dem Rücken über andere. Toxische Eltern kontrollieren ihre Kinder. Die Kinder bekommen kaum Freiraum für die eigene Entfaltung und jeder Schritt wird kontrolliert. Geheimnisse gegenüber den Eltern, die im Kindes- und Jugendalter für die Entwicklung und den Abnabelungsprozess sehr wichtig sind, dürfen diese Kinder nicht haben. Zimmer werden durchsucht, Freunde gescannt und Chatverläufe auf Handys gelesen.

Selbstzweifel haben diese Menschen nicht, aus ihrer Sicht machen solche Menschen immer alles richtig. Der andere trägt immer die Schuld. Den Standpunkt des anderen versuchen zu verstehen oder ein klärendes Gespräch zu führen, das kommt ihnen meistens gar nicht in den Sinn. Empathie und Einfühlungsvermögen sind diesen Menschen fremd. Selbstreflexion, ein zentrales Element der emotionalen Intelligenz, fehlt komplett.

Wie kann ich toxische Menschen erkennen?

Toxische Menschen verhalten sich geschickt und bei den ersten Begegnungen sind sie eher übermäßig freundlich und sympathisch. Haben Sie dann Einfluss auf das Geschehen oder die Menschen erlangt, nutzen sie den Einfluss für ihre eigenen Interessen.

Erkennen kann man sie am ehesten daran, dass sie nach einer Begegnung einen „schalen Nachgeschmack“ hinterlassen. Wenn sie merken, dass es ihnen nach einer Begegnung mit einem Menschen schlechter geht als vor der Begegnung, fragen sie sich, was dieses Gefühl verursacht hat. Hat der Mensch ihnen ein schlechtes Gewissen gemacht? Hat er über andere, vielleicht auch ihnen nahestehende Menschen, hergezogen? Hat er sie in übermäßiger und nicht angebrachter Weise kritisiert, z.B. ihr Verhalten oder ihr Aussehen?

In Teamstrukturen erkennen sie toxische Menschen an ihrer destruktiven Art. Negatives wird in den Mittelpunkt gestellt und positive Ergebnisse oder Ereignisse werden abgewertet oder gänzlich ausgeklammert.

Toxische Menschen schrecken in der Regel vor nichts zurück. Sie setzen andere unter emotionalen Druck und instrumentalisieren selbst Kinder für die Durchsetzung ihrer kruden Weltanschauung. Der toxische Mensch kennt nur einen Standpunkt: seinen eigenen.

Was sind die Gründe für toxisches Verhalten?

Toxisches Verhalten hat seinen Ursprung immer in einem mangelnden Selbstwertgefühl. Die Ursachen dafür liegen zumeist in der Kindheit: Mangelnde Liebe, dramatische Erlebnisse oder häusliche Gewalt erzeugen negative Gedanken. Leider werden dadurch auch Verhaltensmuster antrainiert, die bis in das Erwachsenenalter bestehen bleiben.

Toxische Menschen leben von den emotionalen Reaktionen anderer und versuchen dadurch, ihr eigenes Selbstbewusstsein zu erhöhen. Der toxische Mensch erkennt nicht, dass er das Problem ist, Schuld haben für ihn immer nur die anderen.

Herr Berger, was raten sie mir im Umgang mit toxischen Menschen?

Wichtig ist, klare Grenzen zu ziehen. Da der toxische Mensch von der Richtigkeit seines Verhaltens felsenfest überzeugt ist, ist er auch kaum bereit, eine andere Sichtweise einzunehmen oder sein Verhalten zu ändern. Eine selbstbewusste Haltung mit klarer Abgrenzung ist immer eine gute Strategie, wenn man dem toxischen Menschen im beruflichen oder privaten Umfeld nicht aus dem Weg gehen kann. Achten Sie darauf, dass die Grenzen eingehalten werden. Stößt der toxische Mensch auf Widerstand, ändert er allerdings häufig seine Taktik, um seinen Standpunkt trotzdem durchzusetzen. Dann kann er auch wieder übermäßig freundlich werden. Fallen Sie nicht darauf rein!

Ich habe in meiner Berufspraxis schon mit einigen Opfern von toxischen Menschen zu tun gehabt. Da toxische Menschen keine Zweifel an der Richtigkeit ihres Verhaltens haben, sind sie auch psychisch weniger anfällig, d.h. beim Psychologen wird man sie eher nicht antreffen.

Ich bedanke mich für dieses Interview, Herr Berger!

Warum machen Menschen andere Menschen schlecht?

Warum machen Menschen andere Menschen schlecht?

Change-Management ist eine umfangreiche Disziplin mit vielen Teil- und Unterbereichen. Die Bandbreite des Leistungsportfolios der Aspect Consulting GmbH erstreckt sich dabei auf Organisations-, Gruppen- und interpersonelle Themen im Rahmen von digitalen Transformationsprojekten.

In diesem Blog berichten wir in regelmäßigen Abständen über ausgewählte, aktuelle Themen, die im beruflichen (und auch privaten) Umfeld für Spannungen, Leistungsverlust und Ineffizienz führen und wie man ihnen begegnet. Heute geht es um die Frage, warum Menschen andere Menschen schlechtmachen.

Das Gespräch führt unsere Mitarbeiterin Julia Gehre mit Diplom-Psychologen Stephan Berger selbständiger Psychologe/Coach und Dozent an der Psychologischen Fakultät der Universidad Europea Madrid (UEM).

Vielleicht kennen Sie auch die eine oder andere Person in Ihrem privaten oder beruflichen Umfeld, die andere Menschen häufig schlechtmacht oder schlechtredet – eben mit Worten oder ihrem Verhalten abwertet. Das Schlechtmachen kann sich dabei auf Gesagtes, Verhalten, Aussehen oder generell die gesamte Person beziehen.

Für den, der schlechtgemacht wird, ist eine solche Situation meist extrem unangenehm und kann zu Gefühlen der Ohnmacht, Wut und Ärger führen. Allerdings hat es nie etwas mit der Person zu tun, die schlechtgemacht wird, es sagt ausschließlich etwas über das Persönlichkeitsbild und den Charakter der Person aus, die andere schlechtmacht.

 

Herr Berger, warum machen manche Menschen Andere schlecht?

Lassen Sie mich eines vorwegsagen: Wichtig ist zu verstehen, dass es nie etwas mit Ihnen zu tun hat! Es geht immer um die Person, die handelt. Generell haben diese Menschen das Bedürfnis, selbst besser dazustehen und dies erreichen sie vermeintlich damit, in dem sie andere Menschen abwerten. Diese Menschen sind mit sich selbst oder mit dem, was ihnen widerfahren ist, unzufrieden und projizieren diese negativen Gedanken und Gefühle auf andere.

Was sind die Gründe dafür, warum Menschen andere bewusst runtermachen?

Diese Menschen haben eine negative Selbstwahrnehmung und das kann verschiedene Ursachen haben. Gründe dafür sind:

Mangelndes Selbstwertgefühl – Dadurch, dass sie andere runtermachen oder andere schlecht darstellen, fühlen sie sich besser. Dieses wertet das mangelnde Selbstwertgefühl auf.

Schlechte Erfahrungen – Wenn eine Person selbst häufig Erniedrigungen und Kränkungen erfahren hat, kann sie das Bedürfnis entwickeln, selbst andere Person zu erniedrigen – Wie es mir ergangen ist, soll es auch dir ergehen.

Negative Gefühle und Gedanken – Frust, Ärger, Wut und Enttäuschung werden an anderen Personen ausgelassen.

Neid – Der Erfolg, Besitz oder die Fähigkeit von anderen werden kleingeredet, abgewertet und dadurch bewusst geschmälert. Dieses ist auch immer ein Zeichen mangelnden Selbstwertgefühls oder eines Minderwertigkeitsgefühls.

Fehlende emotionale Intelligenz – Wer sich nicht in andere hineinversetzen, die Gefühle anderer nicht nachvollziehen kann, ist sich auch der Kränkungen, die er durch seine Aussagen oder sein Verhalten verursacht, kaum bewusst.

Jeder ist schuld, nur nicht ich selbst – Das eigene Unvermögen und die daraus resultierende Unzufriedenheit werden auf andere projiziert um nicht selbst Eigenverantwortung übernehmen zu müssen: „Ein Schuldiger muss her, der das spüren soll. Dann geht es mir besser!“

Generell lässt sich sagen, dass diese Menschen ihr Umfeld bewusst negativ darstellen oder bewusst negativ wahrnehmen, um sich selbst besser zu fühlen. Sie benötigen diesen Negativismus oder das Leid anderer Menschen für ihr eigenes Selbstwertgefühl.

Was genau meinen Sie damit, Herr Berger?

Diese Menschen benötigen immer wieder die Negativdarstellung oder das Leid anderer, um mit ihren negativen Gedanken und Gefühlen klarzukommen. Dieses Verhalten kann man mit dem eines Süchtigen vergleichen. Nur durch beständige Negativ-Darstellung und Negativ-Wahrnehmung anderer, kommen sie mit ihren eigenen negativen Gefühlen zurecht. Es ist wie eingangs erwähnt, immer eine Projektion der eigenen Gefühls- und Gedankenwelt des Schlechtmachers.

Sie haben gesagt, diese Menschen benötigen auch das Leid anderer?

Das kann man zwar nicht pauschalisieren, ist aber im Grundsatz richtig. Durch das Leid anderer fühlen sich solche Menschen besser, da der andere leidet, sie aber nicht. Sendeformate wie „Upps – die Pannenshow“ oder entsprechende YouTube-Kanäle, in denen anderen Menschen Missgeschicke widerfahren (zum Teil auch verbunden mit Schmerzen), wurden für solche Menschen entwickelt. Menschen mit normaler und hoher emotionaler Intelligenz können sich solche Formate nicht anschauen, da sie das Leid des Akteurs erkennen und Mitgefühl entwickeln.

Was kann ich dagegen machen, wenn ich von anderen schlechtgemacht werde?

Das Wichtigste ist, zu erkennen, dass es nichts mit Ihnen zu tun hat! Es liegt immer und ausschließlich in der Person, die schlechtmacht. Insofern wäre die beste Strategie, es einfach zu ignorieren.

Das hilft aber nicht immer, was können Sie raten?

Da haben Sie leider recht, die innere Abgrenzung fällt vielen Menschen schwer, auch wenn sie es
verstandsmäßig erfassen können. Daher noch folgende Tipps:

Konfrontieren – manche Runtermacher reden abwertend nur in Abwesenheit der jeweiligen Person. Gerade weil es einigen von ihnen an Selbstsicherheit mangelt, scheuen sie die Konfrontation.

Suchen Sie bewusst die Konfrontation, vielleicht auch einmal im Beisein anderer Personen (im beruflichen Umfeld könnte das der gemeinsame Vorgesetzte sein). Bleiben Sie sachlich und bringen Sie Ihre Kritikpunkte an.

Abgrenzen – Schränken Sie den Kontakt ein oder brechen Sie ihn ab. Wenn das nicht möglich ist, grenzen Sie sich innerlich ab. Erkennen Sie, dass nicht Sie das Problem sind, sondern der Andere ein Problem hat. Dann können Kränkungen Ihnen auch weniger anhaben.

Geben Sie uns ein Fazit mit, Herr Berger.

Die Gründe für das Schlechtmachen von Mitmenschen mögen unterschiedlich und häufig nicht nachvollziehbar sein. Aber letztlich lassen sie sich meistens auf einen Grund herunterbrechen:

Menschen machen andere schlecht, um sich selbst besser zu fühlen und/oder vor anderen (vermeintlich) besser dazustehen – oder vereinfacht gesagt: Sie machen andere klein, um sich selber groß zu fühlen.

Wir bedanken uns sehr herzlich für das Interview!